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3GSM-Barcelona: Total multimodal!

Vom 12. bis zum 15. Februar fand in Barcelona der 3GSM-Weltkongress statt, die weltgrößte Messe der TK-Branche. 1.300 Aussteller präsentierten über 55.000 Besuchern Geräte, Anwendungen und Lösungen rund um das Telefonieren im Festnetz und Mobilfunk. VOICE Community sprach mit einigen Teilnehmern über die Trends im Mobilfunk und die daraus resultierenden Chancen für die Voice-Industrie.

Das Thema Voice war auf der 3GSM vor allem von Suchanwendungen getrieben, die mittlerweile hoch konvergent sind und oft auf intelligenter Hybridtechnik beruhen. So wurden erste Handys vorgestellt, die eine One Button-Voice Control ermöglichen: Drückt man den ?Voice-Knopf?, schreibt die ?embedded? Sprachsteuerung ähnlich wie Nuance Dragon am PC direkt in den Cursor oder liest bei einem anderen Kommando das gerade offene Display vor. Dies erleichtert zum Beispiel die Nutzung von Messaginganwendungen wie eMail oder SMS: Wer eine eMail empfangen und gelesen hat, drückt einfach den Voice-Knopf, befiehlt: ?Antworten?, das Handy öffnet die Antwort-Mail, der Cursor springt in die Adresszeile usw. usf. Oder man drückt den Voice-Knopf, öffnet mit ?Börsenkurse? die gewünschte Applikation, nennt das Nasdaq-Kürzel der Aktie und schon sendet der Server die Kursdaten als übersichtlichen Chart aufs Handy-Display.

Der Megatrend der Mobilfunkbranche jedoch ist MP3 ? 40 Prozent aller Endgeräte sind heute mit MP3 Playern ausgerüstet! Damit werden die Bedürfnisse der Verbraucher ebenso bedient wie die der Provider: Die bei den Verbrauchern beliebten Musik-Downloads erfordern vergleichsweise hohe kostenpflichtige Bandbreiten, zudem verdienen die Mobilfunkprovider auch am Verkauf der Dateien, die sie in ihren Portalen listen und ihrer Kundenbasis verfügbar machen. Doch je mehr Musik die Provider anbieten, desto schwieriger wird es für den Endkunden, sich in den immer größer werdenden Inventories (Verzeichnissen) zurechtzufinden und die Songs zu finden, die er sucht.

Sprachgesteuerte Music-Search wird daher als vielversprechende Applikation angesehen. Embedded Sprachverarbeitungsclients für die Inventarsuche auf dem Handy erleichtern die Suche im eigenen Bestand nach Titel, Interpret und sogar Genre. Spannender wird es bei der Suche in den Angeboten der Mobilfunkprovider: Hier wurden neuartige hybride Lösungen gezeigt, die es ermöglichen, sprecherunabhängig in Verzeichnissen mit bis zu 1.2 Millionen Songs zu suchen: Dabei wird die Spracheingabe im Handy ?embedded? erfasst, die Analyseergebnisse per Datenstream an den Server geschickt, der die Ergebnisse der Suchabfrage an das Display des Endgerätes sendet, wo die Songs, geordnet nach der Nachfrage, übersichtlich mit den genannten Informationen aufgelistet werden. Selbstverständlich lassen sich die Einträge dann wieder per embedded Sprachsteuerung vorlesen und auswählen, womit der Download oder Abspielvorgang initiiert wird.

Noch interessanter als Musik fürs Handy sind für die Mobilfunkprovider Videoapplikationen, da diese beträchtliche Bandbreiten erfordern und so noch mehr Traffic in den Datennetzen generieren. Auch hier bietet die Inventarsuche großes Potenzial für die Sprachsteuerung ? die Voice Search in den Mobilfunkablegern von YouTube funktioniert dabei wie in den oben beschriebenen Musikportalen. Auch wurden Plattformen gezeigt, die Anwendungen wie z.B. für mobile Städteführer zeigten, die dem Verbraucher erlauben, mit GPS-fähigen Handys geführte Stadtrundgänge mit Zusatzinformationen in Ton, Bild, und Film zu machen. Die Applikation weiß bei solchen Anwendungen, wo der Städtereisende gerade ist und spielt z.B. vor der Marienkirche einen Film zur deren Geschichte vor. Bei den neusten Interactive Voice Video Response-Systemen spielt Sprache vor allem vor dem Hintergrund der Interaktivität zwischen Anbieter und Kunden eine Rolle. Als Beispiel dürfen Erotikanwendungen wie die aus dem Internet bekannten Webcam-Portale gelten: Der Verbraucher loggt sich ein, sucht per Sprachsteuerung die gewünschte Dame aus und teilt ihr seine Wünsche per Spracheingabe in den Chat-Client mit.

Erste ?Navigation on Phone?-Anwendungen wurden ebenfalls auf der 3GSM vorgestellt. Handyhersteller zeigten Endgeräte mit integriertem GPS und Anwendungen, die ideal für die Bedienung mit Voice geeignet sind: Von der Zieleingabe bis zur Routenausgabe erleichtert die Sprachsteuerung deren Bedienung und macht sie vor allem in Hands-free Umgebungen erst möglich.

?Im Westen nichts Neues?, könnte man meinen ? die Revolution kommt auf sanften Pfoten. Doch genau darin liegt ihre Bedeutung: Die Evolution von Bandbreiten, Plattformen, Konvergenz und Multimodalität schafft Anwendungen, die auch für den Massenmarkt relevant werden können. Für die Voice Branche bestehen die größten Potenziale in embedded Lösungen für die Sprachsteuerungen der zunehmend ?megafunktionalen? Endgeräte, in Voice Search-Anwendungen, die durch hybride Technologien und große Bandbreiten Suchen auch in riesigen Inventories erlauben sowie in intelligent verknüpften Modalitäten, die mit der Kopplung von Sprache, Daten und Video endlich neue Anwendungsszenarien schaffen, die sich auch im Massenmarkt durchsetzen können.

Zugleich zeigt sich der Faktor ?Datenverkehrstarifierung? als der letzte große Hemmschuh für den Durchbruch wirklich konvergenter und multimodaler Lösungen: Wenn die Provider nicht analog der Entwicklung bei den Telefontarifen Kostenstrukturen schaffen, die es erlauben, gedankenlos und ohne Kostenrisiko Datendienste in Anspruch zu nehmen, solange können selbst die besten, funktionierenden Anwendungen sich im Massenmarkt nicht durchsetzen.

Und noch eines: Europa fällt zwar bei der Entwicklung von Endgeräten immer weiter hinter Asien zurück, wie die 3GSM eindrücklich zeigte. Zumindest auf der Anwendungsseite und insbesondere im Voice Business scheint jedoch Europa weiter ungefährdet den Takt vorzugeben!

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