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IVVR: Sprachportale als neuer Kanal für das Fernsehen?

Pünktlich zur CeBIT, seit Montag, bietet der Nachrichtensender N-TV einen neuen Mobilfunkservice an: Seither kann man sich die aktuellen N-TV Kompakt-Sendungen aus den Bereichen Nachrichten, Wirtschaft und Wetter per Videoanruf auf das Handy holen. Damit sei N-TV der erste Anbieter, der unter der aus allen Mobilfunknetzen erreichbaren Kurzwahlnummer 22868 „Handy-Fernsehen“ für Kunden aller Provider biete, so die Anbieter der „n-tv Videonews kompakt“, N-TV und aperto. Das sei möglich, weil N-TV ein Voice Video Portal einsetze, anstatt das Fernsehen fürs Handy wie (z.B. bei den Mobilfunkprovidern) üblich als Daten-Streaming, im DVB-H- oder DMB-Standard bereitzustellen.

Bei einem Voice Video Portal handelt es sich um ein Sprachdialogsystem, das neben der interaktiven Sprachsteuerung auch interaktive Videotelefonie ermöglicht. Dadurch können Nutzer von UMTS- und VoIP-Handys Auswahlmenus ansehen, per Spracheingabe steuern, und so z.B. Videos auswählen, die dann auf dem Screen abgespielt werden. Voice Video Portale können neben den Kurzwahlnummern auch über Festnetz- oder Mehrwertnummern erreicht werden. Solche Systeme sind interessant für mindestens drei Szenarien:

1. Inhalteanbieter können mit einem Voice Video Portal selber, ohne einen oder alle Provider an den Revenues beteiligen zu müssen, z.B. über eine einfache Festnetznummer ihren Content direkt vermarkten.

2. Help Desk-Anbieter können neben der mündlichen Unterstützung über eine Voice Video Plattform auch grafische Informationen, How-to-Filme oder Animationen auf den Handybildschirm schicken, sodass der Kunde zusätzliche Hilfestellung bekommt – und diesen Service aufgrund der Festnetztauglichkeit des Dienstes kostenlos anbieten.

3. Im Premium-Kundenservice z.B. bei der Betreuung von Top-Kunden der Banken können Anleger bei einer entsprechenden Ausstattung des Contact Centers ihren „persönlichen“ Sachbearbeiter sehen, ihm sozusagen in die Augen schauen, bevor sie z.B. seinem Rat folgen und ein Investment wagen.

Doch weder Fernsehen auf dem Handy, noch Video-unterstützte Help Desk Services sind wirklich neu – was also ist das Besondere an dem N-TV-Angebot? Dass es, zum einen, anders als etwa die „Tagesschau in 100 Sekunden“, die Crealog bereits vor einiger Zeit vorstellte, über die Kurzwahl 22868 ohne Vorwahl in allen deutschen Mobilfunknetzen verfügbar ist. Mit der Videoanruf-Funktion, die viele neuere UMTS-Handys bereits haben, können die Beiträge ohne eine zusätzliche Internetverbindung und damit ohne extra kostenpflichtigen Datenverkehr mobil abgerufen werden, auch wenn die Übertragung der Videos per UMTS erfolgt. Auch die Installation einer zusätzlichen Software ist dazu nicht nötig.

Die Anbieter solcher Voice Video Services wie z.B. Aperto Move, Crealog oder Legion, sehen eine Fülle an interessanten Geschäftsmodellen, die auf Basis der Voice Video Technologie möglich seien. Doch sie nennen auch Hindernisse, die noch zu überwinden seien, bevor Voice Video ein Kanal für die Massen werden könne:

So seien laut Legion insbesondere die Regulierungsbehörde und die Mobilfunkprovider derzeit die größten Hürden für einen Marktdurchbruch für Voice Video Dienste: Erstere erlaube tarifierte Voice Video Calls nur in der 22er-Kurzwahl- und der 01805er Mehrwertdienste-Gasse, nicht aber in den für viele Inhalteanbieter viel interessanteren 0137- oder 0900-er Rufnummerngasse. Gleichzeitig machten die Mobilfunkbetreiber mit den hohen Kosten für die Zuteilung einer Kurzwahlnummer, den hohen Umsatzbeteiligungen und wie im Falle Vodaphone mit Mindestauszahlungsbeträgen die meisten Geschäftsmodelle kaputt, bevor sie starten könnten.

Auch die derzeit noch recht niedrige praktische Reichweite von höchstens 30% (vgl. unsere unlängst publizierte Studie „Praxisleitfaden Mobile Marketing, S. 50) spricht gegen eine schnelle Verbreitung der Voice Video Dienste, wie der Autor gestern selber feststellen musste: Mit dem iPhone etwa war es mir nicht möglich, die „n-tv Videonews kompakt“ zu sehen, weil Apple beim Telefonieren offensichtlich den Daten-Kanal abstellt. Auch mit dem Nokia E51 des Herausgebers gelang es nicht, die Nachrichten auch nur abzuhören – was normalerweise das Fall-Back sei für alle Anrufer, deren Handys kein UMTS oder kein Video unterstützten, wie Aperto betont.

Regulierung und Tarifierung sind Problemstellung, die sich mit etwas Phantasie und guten Konzepten umgehen lassen: So können sich die Anbieter von Voice Video Diensten beispielsweise den Zugang zum Portal durch eine kostenpflichtige Premium-SMS honorieren lassen. Oder sie bieten ihren Kunden den Zugang per Festnetz gegen ein Abonnement an. Und natürlich lässt sich mit der Voice Video Plattform auch eine Werbefinanziereung leicht umsetzen – was all die Nutzer anspräche, die gar nicht bereit sind, für ein Inhalteangebot zu bezahlen.

Und das Thema praktische Reichweite wird sich aufgrund des technischen Fortschritts in wenigen Jahren erledigt haben, wenn die Mehrheit der Handys über solche Funktionalitäten verfügen wird.

Daher bleibt die Frage: Wird Voice Video das Mobile Business beflügeln – oder profitiert die Voice Branche vom Mobile Medium, weil es neue Szenarien für Voice Video Portale schafft? Oder handelt es sich hierbei nur um einen weiteren Kanal, der multimediale Inhalte zum Empfänger schafft, aber nur eine Nischenrolle für besondere Zwecke behalten wird?

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