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Voice Ident: Gesetzeslage, Verbrauchervorbehalte und technische Grenzen hemmen Marktwachstum

Nie zuvor mussten Verbraucher im Alltag so viele Authentifizierungsverfahren über sich ergehen lassen wie heutzutage: Zahllose Endgeräte und Dienste erfordern die Identifikation des Nutzers und überfordern manchen Verbraucher beim Bewahren der benötigten Passwörter und PINs. Den Anbietern entstehen so Kosten für Passwortresets und Call Center-Personalkosten ? gleichzeitig entgeht ihnen auch noch Geschäft: Wer kennt nicht den Moment im Urlaub, wenn er seine Mailbox abfragen will, aber die PIN nicht parat hat?

Nicht nur Banken und TelCos haben daher ein großes Interesse insbesondere bei Diensten, die über das Telefon genutzt werden, Voice Ident-Lösungen anzubieten. Anwendungsszenarien sind vor allem Passwort-Resets, aber natürlich auch Dienste-Aktivierung, Infoabfragen in sensiblen Bereichen (Krankenakten etc.) oder gar (zukünftig) die endgeräteseitige Steuerung von Home-Security. Selbst personalisierte Routing- und Tarifierungsstrategien lassen sich per Voice Ident umsetzen. Fachleute unterscheiden fünf Anwendungskategorien für Voice Ident-Lösungen: Anwendungen zur physischen Zugangskomntrolle, Anwendungen für PC- und Netzwerksicherheit, Anwendungen für Behörden, Transaktionsanwendungen und (embedded) Voice Ident für Endgeräte.

Die Vorteile von Voice Ident-Lösungen sind augenscheinlich: Der Authentifizierungsprozeß über Sprache erfordert keine physische Präsenz mehr ? weder beim ?enrollment? noch bei der späteren Nutzung. Sprach-Authentifizierung ist zudem das einzige biometrische Verfahren, welches keine zusätzlich Hardware benötigt (vgl. Fingerprint etc.). Dadurch sind auch die Investitionen deutlich geringer als bei anderen Verfahren, die bisher nachgewiesenen ROI liegen zwischen wenigen Monaten bis maximal drei Jahren. Als natürlicher und intuitiver Prozess ist die Akzeptanz auf Anwenderseite zudem deutlich höher als bei anderen biometrischen Verfahren ? Tests zeigen, dass die Nutzer von Passwort Reset-Lösungen diese dem deutlich länger dauernden nicht automatisierten Prozess klar vorziehen. Auch scheint es weinger Bedenken zu geben, ein Stimmprofil zu hinterlegen als z.B. einen Fingerabdruck.

Wesentliche Treiber einer Entwicklung des sich langsam entwickelnden Voice Ident-Marktes sind u.a. die zunehmende Integration von ASR-Software, der Nachweis realisierter Einsparpotentiale durch erfolgreiche Implementierungen, mittlerweile überschaubare initiale Kosten und die zunehmende Kriminalität im e-Commerce, die nach sicheren und anwenderfreundlichen Authentifizierungs-Lösungen verlangt: Voice Ident-Lösungen sind geradezu prädestiniert für die Integration in telefonbasierte Anwendungen.

Doch in der Praxis passiert dies bisher noch sehr selten. Zwar werden robuste Passwortreset-Lösungen für das Telefon von Herstellern wie Excelsis, Sikom, VoiceTrust, Nuance et. al. angeboten ? weltweit werden sie laut Datamonitor in 2007 jedoch nur ca. 150 Mio. US$ umsetzen ? und das hauptsächlich innerhalb von Unternehmen wie z.B. der VW-Bank, der Karlsruher Versicherung, der Allianz, der HypoVereinsbank und der Swisscom. Voice Ident-Lösungen im Endkundenmarkt sind ausser bei echten Vorreitern wie T-Mobile bisher kaum im Einsatz. 

Dafür gibt es Gründe. Zum einen muss dringend die EU-Gesetzgebung zur Biometrie in Deutschland umgesetzt werden. Unter der derzeitigen Rechtslage sind eine Fülle datenschutzrechtlicher Grenzen zu umschiffen, was in der internen Nutzung noch einigermaßen abbildbar ist, im Publikumsverkehr jedoch Schwierigkeiten schafft. Auch sind technische Problemstellungen wie die Behandlung von Nebengeräuschen beim Anruf, die flexible Verarbeitung von Signalen unterschiedlicher Qualität (z.B. ?alte? Kupferleitung oder ?neue? IP-Telefonie) zu überwinden. Die benötigte Rechenpower für den Abgleich von Stimmprofilen ist so groß, dass eine Vorqualifizierung über andere Identifkatoren wie Telefonnummer, Namensnennung etc. nötig ist, um dann den gezielten Abgleich mit dem hinterlegten Stimmprofil zu ermöglichen. Die Sensibilität der verwendeten Daten steht zudem Hosting-Lösungen entgegen, die eine schnelle Marktdurchdringung beschleunigen könnten.

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